Videoeinladung zur #IdT14 „Alles unter Kontrolle? Interdisziplinäre Zugänge zum Aufwachsen in der digitalen Gesellschaft“

Dieses Jahr lädt Edda, eine digital generierte Stimme, zur 10. Interdisziplinären Tagung „Alles unter Kontrolle?“ am 28.11.2014 ein. Bei der Entwicklung des Videos haben wir durchaus die Tücken und sprachlichen Begrenzungen digitaler Sprachgeneratoren kennengelernt. Ich hoffe, dass unsere Idee plausibel ist, das Thema Digitalisierung unserer Lebenswelten bereits im First Sight-Video aufzugreifen.

Schauen Sie rein – in nur 1:45 Min. erhalten Sie einen Einblick in das Programm der #idt14.

 

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„Soziale Netzwerke als (Selbst-)Bildungsräume“ – Beitrag in C&U 95

Das Social Web als Treffpunkt, Bühne, Archiv + Kino sowie Zeitung + Zeitschrift – diese Metaphern vermitteln schnell, worum es im Social Web geht. Aber sie vermögen nicht die Besonderheiten der medialen Räume in Sozialen Netzwerkdienste zu vermitteln.

Im Heft 95 „Soziale Online-Netzwerke“ der Zeitschrift Computer + Unterricht haben Mareike Schemmerling und ich versucht, die Besonderheiten dieser (Selbst-)Bildungsräume vorzustellen und dabei auch Aufgaben und Ansatzpunkte für die pädagogische Begleitung aufzuzeigen. Diese behandeln wir unter den Fragen: Persönliche Informationen in aller Öffentlichkeit?, Wo hört der Spaß auf? sowie Freiräume oder kommerziell strukturierte Produkte?

Der Beitrag ist eine sehr stark komprimierte Bündelung von zwei Teilstudien der fünften Konvergenzuntersuchung sowie der Studie „Jugendliche und Online-Werbung im Social Web„.

Brüggen, Niels; Schemmerling, Mareike (2014): Soziale Netzwerke als (Selbst-)Bildungsräume. Soziale Netzwerkdienste im Alltag Heranwachsender und daraus resultierende Herausforderungen. In: COMPUTER + UNTERRICHT – Lernen und Lehren mit digitalen Medien, Jg. 24, H. 95, S. 10–13.

Gerade erst entdeckt habe ich, dass die im Heft genannten Links online beim Verlag als pdf abgerufen werden können. Sehr hilfreich.

„Das Social Web und die Aneignung von Sozialräumen“ – Beitrag in sozialraum.de Ausgabe 1/2014

Wir freuen uns, dass ein Beitrag von uns in der Ausgabe 1/2014 von sozialraum.de aufgenommen wurde, die Anfang dieser Woche erschienenen ist. Im Beitrag “ Das Social Web und die Aneignung von Sozialräumen. Forschungsperspektiven auf das sozialraumbezogene Medienhandeln von Jugendlichen in Sozialen Netzwerkdiensten“ greifen wir Ergebnisse aus der fünften Konvergenzstudie auf, die wir am JFF im Auftrag durch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) durchgeführt haben.

Der Text stellt einen Diskussionsbeitrag zu den aktuell diskutierten Ansätzen dar, die Medienaneignung von Jugendlichen und die Aneignung von Sozialräumen miteinander in Verbindung zu bringen. Auf Grundlage der Darstellung verschiedener Modi des sozialrambezogenen Medienhandelns von Jugendlichen versuchen Mareike Schemmerling und ich insbesondere neue An- und Herausforderungen an Jugendliche aber auch für eine zielgruppenangemessene pädagogische Unterstützung darzustellen.

Das ist Netz ist für alle da – Projekt zum Social Web mit (lern-)behinderten Jugendlichen

Gestern gab es nun nach langer Planungsphase endlich den Startschuß für ein neues Projekt:

Ich, meine Freunde und das Online-Netzwerk
Aktive Medienarbeit zur Förderung eines souveränen Medienumgangs von lernbehinderten Jugendlichen im Social Web

Entstanden ist die Idee für das Projekt aus einer Fortbildung für die Lehrkräfte einer Förderschule hier in München. Mit der Frage, wie ein Angebot für die Schülerinnen und Schüler aussehen könnte, haben wir gemeinsam dieses Projekt auf die Beine gestellt, in dem das Social Web aus Sicht von lernbehinderten Jugendlichen im Fokus steht: Was sind die Faszinationspunkte, die sie begeistern? Wo begegenen sie Herausforderungen oder sehen sie Probleme?

Diese und weitere Fragen wollen wir in dem Projekt mit den Jugendlichen gemeinsam bearbeiten und Medienprodukte dazu erstellen. Dabei können wir uns auf die Erfahrungen des Projekts „ausdrucksstark“ des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis sowie des Medienzentrum Parabol stützen.

Besonders neugierig bin ich natürlich, wie die Jugendlichen die Möglichkeiten des Social Webs insbesondere für die Identitätsarbeit, die soziale Integration und Teilhabe für sich nutzen. (siehe auch unser Projekt Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung Jugendlicher) Denn gerade mit Blick auf die Zielgruppe lernbehinderte Jugendliche, gibt es bislang nur sehr wenige Erkenntnisse, welche Potenziale auch für sie eine Chance sind, aber auch wo gerade diese Zielgruppe weitere Unterstützung braucht. Vielleicht können wir mit diesem Projekt ja unter der Beteiligung der Jugendlichen selbst einen Beitrag leisten.

Ich bin sehr gespannt auf die weitere Arbeit und werde hier sicher weiter über den Projektverlauf berichten.

a situation where it’s better for the advertiser – Privatsphäre aus der Sicht eines Investors

Ich bin ein großer Fan von Daniel Jones Podcasts aus dem Berkman Center for Internet & Society der Harvard Law School geworden. Die Folge 147 „Digital Hermits and the People Who Scare Them (Adventures in Anonymity III)“ ist ein Zusammenschnitt eines Interviews mit David Hornik, der seinerseits Investor von Start-Up-Unternehmen (u.a. blippy.com) ist. Insofern finde ich dieses Interview sehr spannend, da es Einblicke hinter die Kulissen von neuen Internetdiensten ermöglicht. Ich empfehle das Interview gesamt anzuhören.

Zwei Aspekte finde ich besonders interessant, zu denen ich jeweils Ausschnitte aus den Antworten transkribiert habe.

Die Notwendigkeit der Preisgabe von persönlichen Informationen, um einen bestimmten Dienst nutzen zu können, trifft das Kernproblem der aktuellen Debatte um Privatsphäre. Dabei wird mit der Forderung und Förderung der Selbstverantwortung der Nutzenden zwar einereits ein wichtiges medienpädagogisches Ziel verfolgt, aber zugleich (auch in der deutschen Diskussion) der Fokus von der Verantwortung der Anbieter und Dienstegestalter abgelenkt. Vor diesem Hintergrund finde ich die Äußerung von David Hornik in diesem Zusammenhang besonders spannend, da er die Verantwortung der Anbieter einräumt und die Bedeutung von Dienstegestaltung und Voreinstellungen sogar betont.

„Here is an internet experience that you enjoy. And we – the internet company that’s providing it to you – have made a set of decisions about how to treat your information as privat or otherwise. And the experience you get is influenced by those decisions we’ve made and if you like that experience you don’t really worry that much about these sets of privacy trade-offs.“
David Hornik in Radio Berkman 147 – 04:44

Bewegen wir uns angesichts immer weitergehender ‚privacy trade-offs‘ hin zu einem ’no-privacy land‘?
David Hornik beschreibt diebezüglich, wie er im persönlichen Gebrauch differenziert zwischen Informationen, die er nicht preisgeben will, und anderen, bei denen er einen Mehrwert sieht, wenn er sie veröffentlicht. Dennoch zeigt er sich besorgt, wenn er an seine eigene Kinder denkt, was aus einer medienpädagogischen Perspektive betrachtet natürlich besonders spannend ist. Das folgende Zitat ist etwas länger. Mir war es aber wichtig es im Zusammenhang stehen zu lassen, da es verdeutlicht, dass natürlich nicht allein der Nutzwert für die Nutzenden ein Motor für die Weiterentwicklung von Onlinediensten ist (was ja auch vergleichsweise naiv wäre), sondern gerade die Nutzung der Daten in (neuen) Werbeformen diese Entwicklungen für Investoren attraktiv werden lässt.

„My big concern with my children is that because they have come into this as if this is normal, then they won’t even question it, they won’t even think about it. They go just like ‚oh of course, throw out my data, it’s all good‘ and they would buy things that they might otherwise think twice about.
Whereas you and I have started in privacy land and we are marching towards no-privacy land and so these are reasonable questions. And so: From where I sit,… The first thing you post is advertising. I have to say, that one of the reasons that I love this trade-off between privacy and utility and why I’m perfectly happy to give up privacy in this respect is that: I want better ads – I like better ads. I don’t have any problem with someone saying: We should send an ad for a particular car, when David is looking for a car. Or we should – you know, the fact that my youngest child is now eight – don’t send me an ad for diapers, I just don’t need it. And if you can use my data to know that I don’t need that – great! If you know that my wife is a fanatic about Paris and you can send me an ad about something in Paris that is interessting and I wouldn’t have otherwise seen, I see that as an utility, an incredible value. A value to me even though it is also a value to the advertiser. And so I think that by using this data we’re gonna get in a situation, where it’s better for the advertiser and it’s better for the consumer. And that would be great.“
David Hornik in Radio Berkman 147 – 15:43

Konkret benennt Hornik hier einen Grund, wofür Anbieter die Informationen nutzen können, mit wem man eine Beziehung führt (wie es auch im schuelerVZ möglich ist anzugeben vgl. VZlog.de). Aber dies ist ja nur ein Beispiel von vielen. Das Zusammenspiel von Werbung und Diensteanbietern ist natürlich für viele Angebote die notwendige wirtschaftliche Grundlage, ohne die die Dienste nicht (scheinbar) gratis angeboten werden könnten. Über die tatsächlichen Hintergründe bspw. wie jeweils Daten ausgewertet werden etc. sind Informationen für die Nutzenden aber nur spärlich zu finden. Für Jugendliche habe ich bislang noch kaum eine verständliche und zugleich aussagekräftige (kritische) Aufbereitung gefunden.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn es geht nicht allein darum, dass man keine Partybilder im Netz veröffentlichen sollte. Die Möglichkeiten, Daten auszuwerten, sind wesentlich differenzierter. Welche Daten unproblematisch veröffentlicht werden können ist dabei letztlich nach wie vor (und vermutlich weiterhin) völlig unklar, wie das Beispiel der Wasserflaschen im Interview zeigt. Es kommt auf die Interpretation und Bewertung der Daten an, wird im Interview gesagt. Das stimmt. Nutzende sollten aber auf jeden Fall die Souveränität besitzen oder dazu ermächtigt werden, selbst und bewusst zu bestimmen, welche Daten interpretiert und bewertet werden können. Und dazu zählt auch, möglichst große Kontrolle darüber zu haben, welche Daten wie veröffentlicht werden. (Der Fairness halber zum Abschluss noch ein Beispiel, bei dem dies sehr gut umgesetzt wurde: Die Apps im schülerVZ, bei denen in Visitenkarten bestimmt werden kann, welche Daten weitergegeben werden. So ist gut nachvollziehbar und eine bewusste Entscheidung, was für wen sichtbar wird. vgl. Informationsangebot im schülerVZ zu den Apps)

„Jugend – Medien – Identität“ erschienen

Wie gestalten Jugendliche ihre Identitätsarbeit in und mit aktuellen Medienwelten? Der von Helga Theunert herausgegebene Sammelband „Jugend – Medien – Identität. Identitätsarbeit Jugendlicher mit und in Medien“ ist erschienen und verbindet Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen (Medienpädagogik, Jugendsoziologie, Medienwissenschaft und Psychologie).

Buchcover jugend-medien-identität
Buchcover jugend-medien-identität

Enthalten ist auch ein Beitrag von Christian Herrmann und mir. Darin blicken wir vor der Folie der Identitätsarbeit Jugendlicher auf die Gestaltung und Arbeit mit pädagogischen Online-Communitys am Beispiel von netzcheckers.de.

Hintergrund dazu: Christian Herrmann ist Redakteur beim Jugendportal netzcheckers.de. Das JFF begleitet das Projekt nun schon seit Dezember 2006 und mittlerweile in der zweiten Projektphase.

Der Beitrag stützt sich zum einen auf die Projekterfahrungen im Betrieb des Portals und zum anderen auf die Ergebnisse der Evaluation.

Eine Übersicht über alle Beiträge gibt’s beim Verlag: http://kopaed.de/kopaedshop/index.php?PRODUCT_ID=645